Die Stimmung in der Heiliggeistkirche war zweifelsohne eindrucksvoll. Die Musik in einer Kirche umhüllt die Zuhörer immer auf eine besondere Art von allen Seiten. Das war auch nicht anders, als das Konzert Michel Godard „Monteverdi“ mit den Geräuschen eines menschlichen Didgeridoo begann, dass seltsam fremd und choralisch auf mich einwirkte und an gregorianische Gesänge erinnerte. Der Klang waberte durch den gesamten Raum, bis in die letzte Dachzarge und stimmte den Zuhörer auf ein ungewöhnliches Musikprojekt ein, dessen Aufführung bei Enjoy Jazz eine Deutschlandpremiere war.
Der Jazzvirtuose Michel Godard interpretiert Claudio Monteverdi. Der Barockkomponist galt zu seiner Zeit schon als innovativ, wenn nicht sogar als erschreckend modern. Als einer der ersten Opernkomponisten nahm er die polyphone Instrumentalbegleitung für den Gesang zurück und ersetzte sie durch ein sparsameres Geleit. Nun nehmen sich Godard und dessen Musiker seiner an, die den bemerkenswerten Musikinstrumenten Serpent, Barockvioline, Theorbo moderne Jazzlaute entlocken und die Kompositionen Monteverdis, oder auch nur dessen musikalische Stimmungen adaptieren.
Die Musik war mir zum Teil etwas zu glatt und zu seicht, ich hätte von einem großen Jazzimprovisator etwas mehr Aufregung erwartet und mir gewünscht, dass er den monodischen Stil des Barock etwas mehr aufbricht und weniger sparsam begleitet.
Eure Tine
