
Man kommt etwas ins Grübeln, wenn man liest, dass jemand Kate Bush adaptiert und damit beim Enjoy Jazz Festival auftreten wird. Bei eher durchschnittlicher Sachkenntnis über die Künstlerin, denke ich an Wuthering Heights, Babooshka und vor allem an die sehr hohe Stimme der Popsängerin. Wenn aber der deutsche Jazzsänger und Komponist Theo Bleckmann sich dieser Sache annimmt, beginnt man diese Idee mit ganz anderen Augen zu sehen.
Bleckmann hebt mit Theo Bleckmann´s Hello Earth - The Music of Kate Bush die Exzentrik der Künstlerin und ihrer Musik hervor. Das extreme Klangerlebnis, welches man bei Bush in erster Linie durch ihre Stimme erfährt, generiert Bleckmann nicht nur mit seinem Gesang, sondern auch mit Hilfe eines Loops, mit dem er seine Stimme und Geräusche live aufnimmt, vervielfacht und stetig wiederholt. Durch die Verwendung eines Delays, das für einen satten Nachhall sorgt, der wie ein Echo zeitversetzt verschwindet, fühle ich mich zum Teil in einer wabernden Klangblase eingeschlossen. Die Bilder einer traumwandlerisch tanzenden Kate Bush erscheinen vor dem inneren Auge. Hin und her, vor und zurück, schnell und langsam, mit großer Geste. Diesen Klang- und Bilderkokon bringt dann meist eine unerwartete Wendung im Arrangement zum Platzen. Sei es durch die kreischende E-Violine oder durch den in schwindelnden Höhen rasenden Flügel. Bleckmann macht Bushs Titel zu einem umfassenden Klangerlebnis, indem er Stimme und Instrumental die gleiche Bedeutung beimisst.
Als Bleckmann zwei Stücke ankündigt, in dem es um Ertrinken (And Dream of Sheep) und das Gefühl unter einer Eisdecke gefangen zu sein (Under Ice) geht, sagt er voller Ironie: „Yay, just having fun with popmusic.“ Spaß vielleicht nicht gerade, aber das Vergnügen eine Künstlerin ganz neu wahrzunehmen.
Eure Tine